Stuttgart, 16.03.2010
Outlet-Alarm für Baden-Württemberg!
Einzelhandel im Südwesten befürchtet wesentliche Kaufkraft- und Umsatzverlagerungen im Falle der Etablierung weiterer Fabrikverkaufscentren (FOCs)
Stuttgart. Nachhaltige Umsatzverluste für den etablierten Einzelhandel in Baden-Württemberg befürchtet der VMG Süd (Verband der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels Süd e.V., Stuttgart) für den Fall, dass weitere Fabrikverkaufscentren im Inland sowie im benachbarten Ausland geschaffen werden.
„Aktuell sehen wir uns einer Ausweitung der Fabrikverkaufsfläche um weitere 63.000 qm ausgesetzt“, so der Geschäftsführer des VMG Süd, Gerhard Berger. „Dies stelle eine echte Bedrohung für die gewachsenen Strukturen des Einzelhandels insbesondere mittelständischer Prägung dar“, befürchtet der Verband.
So wird das im Bau befindliche umstrittene Designer-Outlet-Center in der Gemeinde Roppenheim im benachbarten Elsass, Nähe Baden-Baden (mit 117 Boutiquen und einem zu erwartenden Jahresumsatz von gut 120 Mio. Euro), trotz erbittertem Widerstand des Verbandes auf 23.000 qm Verkaufsfläche insbesondere um die Gunst der Verbraucher auf deutscher Seite buhlen. Vergeblich hatte der Verband in den Jahren 2006/2007 noch mit einer Klage vor dem obersten französischen Verwaltungsgericht die Etablierung des Centers zu verhindern versucht.
Nun soll in der benachbarten Schweiz in der Gemeinde Wigoltingen, wenige Autominuten von der Stadt Konstanz entfernt, das größte Outlet-Center in der Schweiz mit dem bezeichnenden Namen „Edelreich“ auf 30.000 qm Verkaufsfläche mit etwa 120 Geschäften gebaut werden. Umsatzerwartung: rd. 110 Mio. Euro jährlich.
Damit nicht genug: Auf dem z.Zt. leer stehenden Messegelände in Sinsheim, Nähe Heilbronn, planen die Eigentümer die Etablierung eines weiteren Fabrikverkaufs auf 10.000 qm Verkaufsfläche mit 50 bis 60 Geschäften. Die dortigen Eigentümer verfügen über ein 50.000 qm großes Grundstück mit 30.000 qm Hallenfläche. „Eine sukzessive Ausweitung des gewollten Fabrikverkaufsgeländes kann daher bereits jetzt als sicher angenommen werden“, befürchtet Berger für den Fall der Genehmigung des Fabrikverkaufs. „Eine Erforderlichkeit des geplanten FOC in Sinsheim für eine angemessene Versorgung der Bevölkerung am vorgesehenen Standort ist schlichtweg zu verneinen“, unterstreicht Berger und geht davon aus, dass „vielmehr von einer eindeutigen Orientierung auf Versorgungsbereiche und Einzugsgebiete des Einzelhandels auch benachbarter Orte auszugehen sei, insbesondere Bad Rappenau, Eppingen, Heilbronn, aber auch Mannheim und Heidelberg“. Hier sei ein „gezieltes Anzapfen des Potentials der Nachbargemeinden zu befürchten“.
Seine Bedenken hat der Verband zwischenzeitlich gegenüber dem hiesigen Wirtschaftsministerium vorgebracht und „höchste Sensibilität bei der Bewertung des FOC-Vorhabens in Sinsheim“ erbeten. Im Falle einer „Genehmigung“ sei „von erheblichen Umsatzverlagerungen insbesondere zu Lasten des innerstädtischen, bedienungsintensiven Einzelhandels und dem Verlust von Arbeits- und Ausbildungsplätzen auszugehen“, gibt Berger zu bedenken, sieht allerdings die rechtlichen Voraussetzungen als nicht erfüllt an. Das Konzept verstoße sowohl gegen den Landesentwicklungsplan als auch gegen den einschlägigen Regionalplan.
Auch bezüglich der Pläne zum Bau des größten Outlet-Centers in der Schweiz schließt sich der Verband ausdrücklich den Protesten der unmittelbar betroffenen Städte Radolfzell, Singen und Konstanz an und hat ebenfalls beim Wirtschaftsministerium angefragt, welche Möglichkeiten die Landesregierung sieht, gegen das Projekt vorgehen zu können.
Der Verband gibt zu bedenken, dass keine nachhaltigen Synergieeffekte durch FOCs für die benachbarten Städte und Gemeinden zu erwarten sind: „Uns ist kein einziges Fabrikverkaufszentrum in Deutschland bekannt, welches nachweislich derlei Synergieeffekte nachweisen könnte“. Vielmehr muss davon ausgegangen werden, dass die Kunden/Besucher eines FOC einen solchen in sich geschlossenen Komplex auch nicht verlassen werden. Mit diesen Erfahrungen sieht sich der Verband auch bestätigt durch die Untersuchungen der geographischen Institute der Universitäten von Regensburg und Tübingen am Beispiel des „FOC Metzingen“: Hiernach gaben im Rahmen einer Befragung rd. drei Viertel aller Besucher und Kunden nicht den Wunsch an, vor oder nach dem Besuch/Einkauf im FOC die Innenstadt zusätzlich aufzusuchen.
„Die Etablierung von weiteren Fabrikverkaufsflächen an nicht integrierten Standorten auf der grünen Wiese sind Gift für den in der gegenwärtigen konjunkturell und strukturell angespannten Situation des Einzelhandels“, so Berger abschließend
Ansprechpartner:
Gerhard Berger VMG Süd
Tel. 0711-628096
Fax 0711-628079
www.vmg-sued.de
