Tarifrunde Einzelhandel 2021

 

-   Bundesweit noch keine Einigung

-   Freiwillige Entgelterhöhungen –  

     „Orientierungsrahmen“ des HDE und seiner

    Landesverbände

 

 

 

 

Die Tarifverhandlungen im Einzelhandel haben bundesweit bisher noch nicht zu einer Einigung der Tarifparteien geführt.

 

Auch im größten Tarifbezirk Nordrhein-Westfalen konnte in dieser Woche in der vierten Verhandlungsrunde kein Ergebnis erzielt werden; allerdings soll diese Verhandlungsrunde zeitnah, nämlich am 15. Juli 2021 fortgesetzt werden.

 

Die Gewerkschaft reagiert „empört“ auf den sog. „Orientierungsrahmen“ der Arbeitgeber-seite, namentlich des HDE (Handelsverband Deutschland – der Einzelhandel) und seiner Landesverbände (Einzelhandelsverbände).

 

Nachdem sich ver.di bundesweit nach mehreren Verhandlungsrunden hartnäckig weigert, bei einem Abschluss nach den unterschiedlich durch die Pandemie betroffenen Unternehmen zu differenzieren, gab genannter HDE am 06.07.2021 gemeinsam mit seinen Landesverbänden einen Orientierungsrahmen für freiwillige Entgelterhöhungen auch ohne Tarifabschluss für die gut durch die Pandemie gekommenen Unternehmen an die Hand. Hierbei handelt es sich um eine Art Tarifempfehlung, die Folgendes vorsieht:

 

  • Erhöhung der bisherigen tariflichen monatlichen Grundvergütung um 2 % nach zwei Nullmonaten nach Ende der Laufzeit der Entgelttarifverträge im jeweiligen Tarifgebiet (in Niedersachsen, Bremen und NRW bspw. rückwirkend zum 01.07.2021,             in Baden-Württemberg rückwirkend zum 01.06.2021).

 

  • Auch die tariflichen Ausbildungsvergütungen sollen von diesen Unternehmen zum Beginn des jeweiligen tariflichen Ausbildungsjahres 2021 im Tarifgebiet freiwillig um 2 % angehoben werden.

 

  • Diese freiwilligen Leistungen sind auf einen späteren Tarifabschluss anrechenbar. Soweit übertarifliche Entgeltbestandteile gewährt werden, können diese auf die frei-willigen Leistungen angerechnet werden.

 

  • Zusätzlich besteht die Option, den Beschäftigten zu einem von den Unternehmen frei zu wählenden Stichtag - möglichst bis Ende des 3. Quartals 2021 - eine nicht tabellenwirksame Einmalzahlung in Höhe von 300 Euro brutto bei Vollzeit, Teilzeitkräfte entsprechend anteilig, zu zahlen.

 

  • Den Auszubildenden kann ebenfalls zu diesem Stichtag oder zum Start des tariflichen Ausbildungsjahres 2021 zusätzlich eine nicht tabellenwirksame Einmalzahlung in Höhe von 150 Euro brutto gezahlt werden.

 

  • Die Einmalzahlungen können vorbehaltlich einer vom Unternehmen durchgeführten steuerrechtlichen Prüfung als steuerlich begünstigte Corona-Beihilfe gezahlt werden. Sofern diese Zahlung nicht als Corona-Beihilfe gezahlt wird, kann sie auch als eine zusätzliche freiwillige und auf einen späteren Tarifabschluss anrechenbare Leistung ausgestaltet werden.

 

  • Bisher gut durch die Pandemie gekommene Unternehmen wie etwa IKEA mit seinen tarifgebundenen Einrichtungshäusern, die Otto Group mit ihren an den Einzelhandels-tarifvertrag gebundenen Unternehmen wie z.B. OTTO, Baur und Witt, die REWE Group mit ihrem tarifgebundenen Einzelhandelsgeschäft bei PENNY und REWE Markt GmbH sowie mehrere Regionalgesellschaften des EDEKA Verbundes mit ihren tarifgebundenen Einzelhandelsgeschäften haben bereits verbindlich erklärt, diesen Orientierungsrahmen umsetzen zu wollen.

 

 

 

Mit freundlichen Grüßen und bleiben Sie gesund!

                       

Gerhard Berger                                                                    

Rechtsanwalt (Syndikusrechtsanwalt)                                 

Geschäftsführer